Tunesien 2019-20 – eine Entdeckungstour

Reisebericht von Rosemarie Seitinger und Alexandra Estrina

Im imposanten alten italienischen Hafen von Genua haben wir uns auf den Weg nach Afrika gemacht. Im Grunde begann Tunesien für uns hier, beim Check-in auf die Fähre nach Tunis. Man hat sich Zeit gelassen, die Menschen stauten sich vor Schaltern. Die vielen mit Kühlschränken und Kinderfahrrädern schwer beladenen Fahrzeuge – dazwischen unsere rausgeputzten Geländewagen: vier Toyotas, zwei Nissan Navarras und zwei Land Rover – bildeten eine lange und langsame Schlange auf dem Kai. Wir sind ein Haufen Individualisten, Naturliebhaber, Jäger, Verrückter, die zugegebenermaßen der Weihnachtshektik aus dem Weg gehen wollten. Deswegen diese Tour nach Tunesien.

Tunesiens Geschichte auf die Schnelle: Karthagos – Römer – Arabien – Osmanisch Reich – französische Kolonie – Unabhängigkeit seit 1956, die Wiege des arabischen Frühlings 2010-11. Im Norden ist das Land vom Mittelmeer umgeben, hier tummeln sich der Pauschalurlauber und die Einheimischen, Infrastruktur und Zivilisation sind eher vorhanden. Im Süden liegt die Sahara. Da wollen wir hin.

Um 3 Uhr morgens kommen wir im Hotel „El Sultan“ in Hammamet an. Uns wurde noch ein Abendessen serviert, tunesische Gastfreundschaf initiiert von unserem Reiseveranstalter.
Gegen Mittag ging es dann los: acht Autos und ein Quad. Zuerst durch Orte, Städte voller Leben, Menschen, Armut und leider auch  Müll. Aber je weiter wir ins Landesinnere kamen, desto sauber, abwechslungsreicher, faszinierender wurde die Landschaft. Steppen, Schluchten, Salzseen, Bergmassive, Olivenbäume, Dattelplantagen erschienen uns in eindrucksvollen zärtlichen Farben. 

In dieser Stimmung erreichten uns die Feiertage: Heiligabend und Silvester. Magische Nächte! Wir wollten dem Zwang entfliehen und trotz Regen, Kälte und Wind haben wir die Feierlichkeiten neu erfunden. Es wurde gelacht, getanzt, Freundschaften geschlossen. Silvesterfeier in Afrika mit 2 Österreichern, 2 Schlesiern, 3 Russen, einem Bayer, Deutschen aus Ost und West. Darunter drei reizende Teenager, die uns zu jeder Tageszeit wachgehalten haben. Ihr solltet uns das nachmachen!

Knut mit seiner bezaubernden Frau Anett – unsere Guides – führten uns über gut ausgebaute tunesische Landstraßen, enges Straßengewirr, leiteten uns von Kreisel zur Kreisel, hielten die Kolone am Fahren und gaben uns Hinweise zur Ortsbezeichnungen im guten Französisch. Knut – unser Alleskönner. Er führte uns in Moscheen, in römische Ruinen, in verlassene Dörfer, ließ uns das landestypisches Essen probieren und letztlich schlug er einen Weg in die Wüste ein, dem wir als wahre Offroader folgten.  Man grub sich ein, zog sich raus, flog über Dünnen und genoss es. „Niemand bleibt zurück“ – war unser Motto. 

Ali war unser tunesischer Wüsten-Begleiter, ein weiterer Glücksfall für die Reise. Ein Wüstensohn voller Würde und Weisheit. Morgens machte er uns Fladenbrot in einer Holzglut und zeigte uns, dass das Überleben in der Wüste mit Wissen möglich ist. Er begeisterte uns mit seinem perfekten samtigen Deutsch, konnte mit wenig Holz Wärme erzeugen und orientierte sich perfekt im Sande. Trotz unseres westlichen Equipments und Wissens standen wir voller Demut vor einem Mann, der die Sahara nie verlassen hat. Den seine Ahnen jedoch gelehrt haben, den Gast immer mit offen Herzen zu empfangen. 

Tunesien – ein Land zwischen Algerien und Libyen, eine Insel der Sicherheit, arabischer Gastfreundschaft und faszinierenden Weiten. Ein Land, welches unser Fernweh immer weiter schürt.  

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